Hausbooturlaub Lothringen 2013

Route

Mit meinem Vater begab ich mich im Juli 2013 zu einem Hausbooturlaub im Nordosten Frankreichs, genauer im Departement Moselle. Dort gibt es wie im gesamten Land Frankreich auch ein weitreichendes Netz von idyllischen Kanälen, die heute überwiegend den Hausbooturlaubern dienlich sind.

Der Canal de la Sarre wurde ab 1862 für den Kohletransport von Saarbrücken nach Strasbourg erbaut. Er mündet am Etang de Gondrexange in den Canal de la Marne au Rhine, welcher den Rhein mit den Kanälen im Westen (u.a. Canal latéral à la Marne) verbindet.

Schiffshebewerk bei Arzviller

Unser eigentlicher Reiseplan war es, von Mittersheim im Norden zu starten und über den Canal de la Sarre zum südlichen Ende zu schiffen. Dort wollten wir eigentlich den malerischen Canal de la Sarre Richtung Osten befahren: durch die ersten Ausläufer der Vogesen mit dem weltberühmten Schiffshebewerk von Arzviller). Unsere Vermietung berichtete uns aber von einem folgenschweren Unfall in ebendiesem Schiffshebewerk, bei welchem wohl ein gesamter Ort aufgrund der Wassermassen evakuiert werden musste. Bei dem Unfall war eine Hebewanne des Hebewerks abgebrochen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Daher entschlossen wir uns, nach Westen zu fahren: nach Nancy. Sage und schreibe 21 Schleusen trennten uns bei einer Strecke von 64 Kilometer von der gemächlichen Hauptstadt des Départements Meurthe-et-Moselle.

Überraschend fanden wir die Fahrzeiten: geruhsam schippert man das Hausboot mit 10 km / h durch die Natur – das Schleusen dauert im Durchschnitt 15 Minuten. Daher wird eine Strecke von 64 Kilometern schnell zu einer Weltreise im Jetset-Zeitalter: 2 Tage brauchten wir für die Fahrt von der Kanalmündung nach Nancy.

Nicht weit von der Mündung entfernt erwartete uns die 1. Schleuse auf dem Canal de la Marne au Rhine. Paradoxerweise zeigte unsere Flusskarte die Schleusennummer 2, die nächste sei erst die 7, alle anderen waren dann normal durchnummeriert bis zu Schleuse 27 in Nancy. Die Erklärung dafür erhielten wir schnell: die Ecluse de Réchicourt. Eine Schleuse, die mit 16m Höhenunterschied insgesamt 6 Schleusen ersetzte. Ein bauliches Meisterwerk aus dem Jahre 1965. Wegen des Höhenunterschieds muss das Hausboot teilweise bis zu 60 Minuten warten. Zeit genug, um die herrliche Aussicht auf das darunterliegende Tal mit dem Étang de Réchicourt.

Den Hafen von Einville-au-Jard erreichten wir leider nicht, da die Schleusen pünktlich um 18:30 Uhr deaktiviert werden. Allerdings konnten wir so einen Liegeplatz im Grünen finden und die Natur und Ruhe umso mehr genießen. Gerade die Möglichkeit, nahezu überall im Grünen festzumachen war für uns das Attraktivste an dem Hausbooturlaub. Abseits der Städte und des Lärms in der fast unberühten Natur.

Insgesamt verbrachten wir 7 Tage auf unserem Hausboot. Von Mittersheim aus brauchten wir 3 Übernachtungen bis Nancy, in Nancy blieben wir für eine Nacht. Auf dem Rückweg übernachteten wir ein Mal in Einville-au-Jard und verbrachten eine weitere Nacht in der Natur. Für die letzte Nacht machten wir in unserem Heimathafen Mittersheim fest.

Generell kann ich einen Hausbooturlaub mit kleinen Kindern (jünger als 10 Jahre) nicht empfehlen. Beim Schleusen sind körperliche Arbeit und Konzentration gefragt. Nicht zuletzt ist es aber gerade der Mix  aus köperlicher Anstrengung und ruhigen Phasen, die den Hausbooturlaub zu einem echten Urlaub machen – denn körperliche Ertüchtigung trägt viel mehr zur Erholung bei als bloßes Herumliegen.